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Ist die Sternwarte nicht im Stadtpark ? Gibt es in Bergedorf eine zweite Sternwarte ? So oder ähnlich reagieren viele Hamburger, selbst Bergedorfer…

Nein: Im Stadtpark ist das Planetarium. In einem Planetarium werden Bilder vom Sternenhimmel, aber auch andere Filme, Animationen und Bilder von einem Projektor erzeugt und in eine Kuppel projeziert. Die einzige „echte” Sternwarte Hamburgs befindet sich seit fast 100 Jahren auf dem Gojenberg in Bergedorf.

Dagegen ist in Kreisen astronomischer oder astrophysischer Wissenschaftler international der Begriff “Bergedorf” fast bekannter als Hamburg. In Bergedorf, am astrophysischen Institut der Universität Hamburg, das auch heute noch seinen Sitz fernab der Uni in den Gebäuden der Sternwarte hat, wurden wichtige technische, astronomische und astrophysische Erfindungen und Entdeckungen gemacht.

Verteilt in einem großen parkähnlichen Gelände mit altem Baumbestand sind 6 Beobachtungsgebäude mit Kuppeldächern sowie das Hauptgebäude mit der alten Bibliothek und die alte Direktorenvilla zu bewundern, die alle vor ca 100 Jahren im neobarocken Baustil erbaut wurden.

Die erste Hamburger Sternwarte als Staatsinstitut entstand 1833 am Holstenwall Nähe Millerntor aus einem privaten Observatorium, das 9 Jahre zuvor dort gebaut worden war. Circa 70 Jahre später wurde die Sternwarte wegen der steigenden Luftverschmutzung und der durch die Stadt verursachte Helligkeit nach Bergedorf verlegt. Nach dem Neubau 1906-1912 war sie eine der größten und modernsten Observatorien Europas, die größte Sternwarte Deutschlands ist sie bis heute.

1996 wurde die Gesamtanlage in die Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg aufgenommen. 2006 erhielt der Förderverein Sternwarte den Deutschen Denkmalpreis. 2008 wurde die Sternwarte zum “Kulturdenkmal von nationalem Rang” ernannt (z.Z ca 500 Denkmäler in der BRD). Noch heute ist die Sternwarte der Sitz des astrophysischen Instituts der Universität der Stadt Hamburg. Noch heute werden hier Wissenschaftler ausgebildet, aber auch wichtige Erkenntnisse gesammelt und teilweise spektakuläre Entdeckungen gemacht.

Um die Bedeutung einer Sternwarte in der damaligen Zeit ermessen zu können, gerade für eine Stadt wie Hamburg mit aufstrebendem Seehafen, muss man sich zunächst klar machen, wie seinerzeit Schiffe navigiert wurden: Nach den Sternen. Dazu benötigte man einerseits möglichst genaue Sternenkarten und andererseits eine möglichst exakte Uhrzeit. Und letztere kam damals nicht per Funk von einer Atomuhr …

So wurden hier - unter vielem anderen - bis in die 1960er Jahre die wirklich weltberühmten Bergedorfer Sternenkataloge des nördlichen Himmels erstellt, welche die Grundlage der noch heute verwendeten Himmels-Koordinatensysteme bilden.

Und die Uhrzeit wurde durch stundenlange nächtliche Beobachtungen schon vor fast 100 Jahren immerhin mit einer Genauigkeit von einer Zehntel Sekunde bestimmt.

Im Hauptgebäude der Sternwarte gab es spezielle Zeitmess- und Zeitdienstezimmer, die für damalige Verhältnisse auf einem technisch hypermodernen Stand waren. Die nachts gemessene Zeit wurde tagsüber zweimal täglich per elektrischem Impuls von der Sternwarte auf einen Zeitball im Hamburger Hafen übertragen. Das war ein großer, weit sichtbarer Ball an der Kehrwiederspitze, der zu festen, exakten Zeiten durch den Impuls herunterfiel. Danach und nach einer Lichtzeichenanlage, die weitere vier Mal täglich einen Blitz aussendete, stellten die Kapitäne dann ihre Schiffschronometer. Diese Einrichtungen wurden allerdings bereits 1934 (Zeitball) und 1939 (Lichtzeichenanlage) abgestellt. An deren Stelle waren telefonische Zeitsignale getreten.

In den letzten vier Wochen des Krieges gab die Sternwarte schließlich noch einmal ein Funkzeitzeichen ab, das „Onogo-Signal”, denn sie war die einzige Institution im Deutschen Reich, die dazu noch in der Lage war.

Nach dem Krieg hat die Sternwarte noch eine gewisse Zeit alle Bahnhofsuhren in der Britischen Besatzungszone gesteuert und bis 1971 über Rundfunksender in Nord- und Westdeutschland Kurzzeitzeichen abgegeben


Der Große Refraktor:

Das beeindruckendste Teleskop und Gebäude der Hamburger Sternwarte ist sicherlich der Große Refraktor (Refraktor = Linsenteleskop).

Trotz der riesigen Abmessungen von 9 Metern Länge und 60cm Linsen-Durchmesser sowie dem beachtlichen Gewicht von mehreren Tonnen lässt es ohne großen Kraftaufwand mit einer Hand bewegen. Bei der Inbetriebnahme 1914 war es eines der größten und modernsten Teleskope weltweit.

Er ist noch voll funktionsfähig und zählt noch immer zu den größten Refraktoren Deutschlands. Was für ein unglaubliches Erlebnis muss es damals für die Wissenschaftler gewesen sein, als sie die ersten Blicke hindurch warfen ?


Wenn die großen Elektromotoren die Kuppel drehen oder öffnen, bebt und vibriert das Gebäude. Der komplette Fußboden ist eine beweglichen Platte, eine Hebebühne, die sich stufenlos um 4,5 Meter anheben lässt, um bei jeder Position des Teleskops bequem beobachten zu können.

Das 1 Meter Spiegelteleskop:

Bei seiner Inbetriebnahme (1911) war es das viertgrößte Teleskop der Welt und für viele Jahre das größte in Deutschland. Inzwischen hat es seine Bedeutung für die Wissenschaft eingebüßt und wird nur noch für das astrophysikalische Praktikum benutzt. Momentan wird das Gebäude renoviert und teilweise umgebaut.

Der Lippert-Astrograph:

Das Lippert-Teleskop wurde seit seiner Inbetriebnahme mehrfach umgebaut. Ursprünglich bestand das Instrument aus einer Kombination von drei Astrographen (lichtstarke Refraktoren mit kurzer Brennweite für Astro-Photographie), die exakt parallel montiert waren und somit den gleichen Ausschnitt des Himmels auf die Fotoplatte belichten konnten. Durch den Vergleich der entwickelten Platten konnte man dann feststellen, ob es sich bei einem Punkt nur um einen Fehler der Fotoplatte handelte oder tatsächlich um einen Punkt im All. Heute ist auf der ursprünglichen Montierung ein Spiegelteleskop angebracht, das Parallelgehäuse enthält nur noch ein Gegengewicht.
Das Äquatorial:

Das Äquatorial (der Name kommt von der Montierung parallel zur Erdachse) befand sich bereits in der ersten Hamburger Sternwarte in der Nähe des Millerntors und ist inzwischen ca. 150 Jahre alt. Beim Umzug der Sternwarte nach Bergedorf wurden das Teleskop, der hölzerne Beobachtungsstuhl sowie die Kuppel mitgenommen. Die Kuppel saß früher auf dem Dach des alten Gebäudes. Der Refraktor besitzt eine Öffnung von 26cm und eine Brennweite von 3 Metern. Der Beobachtungsstuhl lässt sich mit Seilzügen seitlich (im Kreis) sowie auf- und abwärts bewegen, um beim Beobachten der Nachführung des Teleskops folgen zu können. Auch dieses Teleskop ist noch voll funktionsfähig.
Der Meridiankreis:

Der Meridiankreis wurde als eines der ersten Instrumente in der neuen Sternwarte in Bergedorf im Jahr 1907 gebaut. Zu dieser Zeit war es mit das wichtigste Instrument überhaupt. Es diente einerseits der exakten Positionsbestimmung bei der Katalogisierung von Sternen und andererseits zur Bestimmung der Uhrzeit.

Für beide Zwecke wurde der Meridiandurchgang der Sterne verzeichnet, d.h. wann sie den Meridiankreis, eine gedachte Linie am Himmel zwischen Nord- und Südpol der Erde. Entsprechend konnte das Instrument nur in Nord-Süd-Richtung bewegt werden, deshalb ist auch das Gebäudedach keine Kuppel wie bei den anderen Instrumenten.

Das Dach wurde nur seitlich aufgeschoben. Um die benötigte Präzision zu erzielen, wurde ein enormer Aufwand zur regelmäßigen Eichung des Instruments betrieben. Die Hamburger Sternwarte war mit dem Meridiankreis der Firma Repsold sehr stark beteiligt an der Erstellung der bei Astronomen und in der Navigation weltberühmten Sternenkataloge mit mehreren 100.000 Sternenpositionen. 1967 wurde das Instrument nach Australien gebracht, um von dort den Sternenhimmel der Südhalbkugel zu vermessen. Dort wurde der entsprechende Sternenkatalog um die exakten Positionen von ca 25.000 Sternen erweitert.

Heute befindet sich das Teleskop in einem Depot des Deutschen Museums in München. Das Gebäude wurde leider nach dem Abbau des Instruments zunächst nicht mehr mit gewartet, sodass es langsam zur Bauruine wurde. Demnächst soll es allerdings renoviert werden, dann könnte auch das Teleskop wieder montiert werden.